QR Reshaping, C-print, 2003. Courtesy: Max Protetch, New York

Quasi-Random (Studie zu Buckminster Fuller’s Cloud Nine Projekt)


Fullers Entwurf zum Cloud Nine-Projekt zeigt die Schwarz-Weiß- Aufnahme eines von schneebedeckten Bergen umgebenen Sees. Über den Bergen schweben zwei mit mathematischer Präzision gezeichnete Kugeln. Die Bildunterschrift kommentiert:

Die Kugelkonstruktionen von mindestens 0,6 Meilen Durchmesser stellen Luft-Städte dar, die wie Ballons, die man mit heißer Luft gefüllt hat, hoch über dem Erdboden schweben. Eine solche Stadt mit einem Durchmesser von einer Meile und mit einem Temperaturunterschied von nur einem Grad zwischen Innen und Außen könnte mitsamt ihren mehreren Tausend Bewohnern und der gesamten Infrastruktur über dem Erdboden schweben.

Diese schwebenden Strukturen können nur Dank konstanter Bedingungen im Innern, etwa durch die rigide Kontrolle von Gewicht, Stoffwechsel und Fortpflanzung, in der Luft gehalten werden. Mir fällt es daher schwer, Fullers Cloud Nine-Projekt anders als im Sinne der ultimativen totalitären Organisationsform zu denken: Individuelle Körper haben hier aufgehört zu existieren. Die Stadt wird zu einem einzigen sozialen Organismus. Das utopische Moment des Amerikanischen Traums findet damit seinen Abschluss in der sinnlosen, farblosen Fiktion der schwebenden Stadt.


Tobias Putrih