Eckhard Schulze-Fielitz (*1929) arbeitete nach Abschluss seines Studiums Mitte der 1950er Jahre zunächst in den konventionellen Formen der Nachkriegsmoderne. Gemeinsam mit zwei ehemaligen Kommilitonen gründete er in Essen ein Architekturbüro. Ihr preisgekrönter Entwurf für das Landeshaus Köln, 1957-59 realisiert, zeigt ebenso wie das zeitgleiche Fabrikgebäude für die Phönix-Werke in Blomberg gerasterte Vorhangfassaden in der Tradition Mies van der Rohes.

Eckhard Schulze-Fielitz, Raumstadt, 1959. 700 x 700 x 1350 mm.

Sammlung FRAC Centre, Orléans, Frankreich. Foto: Philippe Magnon

Trotz der raschen Wettbewerbserfolge ist Schulze-Fielitz skeptisch gegenüber der tradierten Auffassung von Architektur und Städtebau. Ich suchte, so der Architekt in einem Interview, damals etwas anderes. Eine serielle, offene, anpassungsfähige, multifunktionale Universalstruktur, die verschiedene Figurationen, Füllungen und Räume zulässt, nicht monoton, montierbar und demontierbar. Ich suchte nach den Gesetzen des Raumes. Ergebnis war 1959 die Raumstruktur. (1)

Einladungskarte zur Ausstellung Schulze-Fielitz Raumstrukturen,

Galerie van de Loo, Essen, 1960

Während ihm zu diesem Zeitpunkt die ähnlich gelagerten Überlegungen Constants oder Yona Friedmans noch nicht bekannt waren, hatten die Entwürfe Konrad Wachsmanns, insbesondere dessen Hangar für die US Airforce, der 1954 in ‚baukunst + werkform‘ publiziert worden war, nachhaltig beeindruckt. Wachsmanns Rasterstruktur für das freitragende Dach des Hangars wurde zum 'role model' für Schulze-Fielitz‘ Raumstadt. Die Zwischenräume des Rasters sollten nicht mehr allein der Stabilisierung dienen, sondern zu Nutz- und Lebensräumen werden.

Eckhard Schulze-Fielitz & Yona Friedman, Brückenstadt über den Ärmelkanal, 1963

Durch den gemeinsamen Freund Daniel Spoerri lernte Schulze-Fielitz im Sommer 1960 Yona Friedman kennen, im Jahr darauf trat er Friedmans Groupe d’Études d’Achitecture Mobile bei. Der Kontakt intensivierte sich 1962, nachdem Schulze-Fielitz in Paris ein Büro eröffnet hatte. Gemeinsam entwarfen sie die Brückenstadt über den Ärmelkanal, eine vieletagige Raumstruktur, die Bahn- und Autotrassen zwischen Frankreich und England mit luftigen Siedlungsbereichen kombinierte: eine Megastruktur in der Nachfolge der Bandstädte.

Eckhard Schulze-Fielitz, Stadtsystem, 1966

Bereits Ende der 50er entwickelte Schulze-Fielitz seine Raumstadtideen zur Theorie einer Universalstruktur weiter, die auch seinem Wettbewerbsbeitrag für die Essener Oper zugrunde lag und auch bei den späteren Entwürfen für die Wettbewerbe zum Flughafen Berlin-Tegel und dem Münchener Olympiastadion (beide 1967) Verwendung fand. 1969 entwickelte er die Habitainer, flexible, transportable Unterkünfte, die in der Türkei, in Algerien und auf Sao Toma zum Einsatz kamen.

In den 70er und 80er Jahren realisierte Schulze-Fielitz eine Reihe von Wohnsiedlungen, kam aber immer wieder auch auf seine Raumstadtideen zurück, wie etwa mit dem Entwurf für eine Surf+Sail City an der Oosterschelde. In den letzten Jahren beschäftigte er sich hauptsächlich mit geometrischen Theorien, die an seine früheren Überlegungen zur Universalstruktur anknüpfen.


MR

(1) Stephan Strauß, Interview mit Eckhard Schulze-Fielitz, in: Der Baumeister, September 1999, S. 42