Auf das Thema Megastruktur sind wir bei der Recherche zur Ausstellung Ideal City – Invisible Cities gestoßen. In dieser Ausstellung haben wir Plug-in City und New Babylon als die späten Erben einer langen Reihe von Idealstadtplanungen gezeigt. Innerhalb der Ausstellung konnte das Thema nur angerissen werden, weil es den Rahmen der Idealstadtideen gesprengt hätte. MEGASTRUCTURE RELOADED setzet unsere Recherche fort: Utopia Revisited.

Die enge Verbindung der Megastrukturalisten mit der Kunstszene wie auch den emanzipatorischen Bewegungen der 1960er Jahre ist in einer Reihe von Publikationen beschrieben und analysiert worden. Gerade heute, wo ein wiedererwachendes Interesse an Ideen und Ausdrucksformen der Moderne zu verzeichnen ist, ist es an der Zeit, diese Entwürfe mit einer großen Überblicksaustellung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Darüber hinaus sind die Ideen der Megastrukturalisten mit Blick auf die Problematik der Mega-Cities in den ‚Newly Industrialising Countries’ (NICs), vor allem in Asien, aber auch in Afrika und Südamerika, hochaktuell. In den vierzig Jahren, die seit der ‘Erfindung’ von Plug-in City und New Babylon vergangen sind, haben sich fern jeglicher stadtplanerischer Vision ‚Megastrukturen’ in Form von frei wuchernden Vorstädten entwickelt. Während in den alten Industrieländern in den 1990er Jahren ein Viertel aller Großstädte geschrumpft sind, wachsen die Städte weltweit kontinuierlich an. 1950 gab es 86 Millionenstädte, heute 400, 2015 werden es 550 sein. Bereits jetzt wohnen 50% der Weltbevölkerung in Städten (3,2 Milliarden). Die indische Stadt Mumbai wird im Jahre 2025 geschätzte 33 Millionen Einwohner zählen. In solchen ausufernden Stadtagglomerationen werden in dreißig Jahren drei Viertel der Weltbevölkerung leben.

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen stellt sich die Frage, ob den Problemen der Mega-Cities mit dem herkömmlichen städtebaulichen Instrumentarium noch beizukommen ist. MEGASTRUCTURE RELOADED will daher die visionären Planungen der 1960er Jahre noch einmal zur Debatte stellen und sie zugleich im Kontext zeitgenössischer künstlerischer Sichtweisen verorten.