Archigrams Plug-in City, Constant Nieuwenhuys New Babylon und Yona Friedmans La Ville spatiale gehören zu den Inkunabeln der 1960er Jahre. Mit ihrer Verbindung von visionärer Architektur, Popkultur, Kunst und situationistischer Rebellion sind sie weit über den engeren Bereich der Stadtplanung hinaus bekannt geworden. MEGASTRUCTURE RELOADED zeigte die Visionen der Megastrukturalisten 2008 erstmals im Zusammenhang. Neben Archigram, Constant und Friedman waren u.a. auch die radikalen Florentiner Gruppen Superstudio und Archizoom, die Ende der 60er Jahre mit ihren Entwürfen ironisierend auf die Megastrukturalisten antworteten, vertreten. Die Ausstellung intendierte dabei keine rein dokumentarische Darstellung, die Ideen der Megastrukturalisten sollten vielmehr auf ihre Aktualität und Tauglichkeit für die städtebaulichen Probleme der Gegenwart befragt werden. Dabei zielten wir sowohl auf die Verbindung von Architektur/ Raumkonstrukten und bildender Kunst ab, die für die Entwürfe so bezeichnend ist, als auch auf genuin architektonisch-städtebauliche Fragestellungen.



Die Künstler José Dávila (MX), Simon Dybbroe Møller (DK), Ryan Gander (GB), Franka Hörnschemeyer (D), Gordon Matta-Clark (USA), Victor Nieuwenhuys & Maartje Seyferth (NL), Tobias Putrih (SI/USA), Tomas Saraceno (AR), Katrin Sigurdardòttir (IS/USA) und Tilman Wendland (D) entwickelten direkt für die Ausstellungen Arbeiten, die die Ideen der Megastrukturalisten reflektierten. Gordon Matta-Clarks Film Conical Intersect, entstanden 1975 in Paris, bildete hier eine Ausnahme: er dokumentiert die Intervention des Künstlers an einer Altbaufassade vor dem Hintergrund des im Bau befindlichen Centre Pompidou, einem der raren Beispiele realisierter Megastruktur.


Cover der 4. Ausgabe des Archigram Magazins


MEGASTRUCTURE RELOADED ist Teil des langfristig angelegten Ausstellungs- und Forschungsprojekts Utopia Revisited, das Publikationen, Symposien, Workshops und Ausstellungen an verschiednen Orten Europas umfasst. Den Auftakt des Projekts bildete die von Sabrina van der Ley & Markus Richter kuratierte Ausstellung Ideal City - Invisible Cities, die 2006 in Zamość Polen und in Potsdam stattfand. Die künstlerischer Recherche zur visionären Architektur der späten Moderne wurde 2011 mit der Ausstellung We are all Astronauts. Universe Richard Buckminster Fuller reflected in contemporary art im MARTa Herford fortgesetzt, kuratiert von Markus Richter in Kooperation mit dem MARTa Team.

Sabrina van der Ley & Markus Richter
2008 / 2011