Im Herbst 1964 erschien in London die fünfte Ausgabe des Magazins Archigram mit dem Schwerpunktthema Metropolis. Unter dem Titel Within the big structure wurden dort neben dem Archigram-Entwurf Plug-in City auch die Stadtvisionen New Babylon von Constant Nieuwenhuys und La Ville spatiale von Yona Friedman vorgestellt.
Die Entwürfe gehören mittlerweile zu den Inkunabeln der 1960er Jahre. Mit ihrer Verbindung von visionärer Architektur, Popkultur, Kunst und situationistischer Rebellion sind sie weit über den engeren Bereich der Stadtplanung hinaus bekannt geworden. Selbst heute vermögen die Entwürfe noch zu faszinieren, was nicht zuletzt in ihrer außergewöhnlichen ästhetischen Qualität begründet liegt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass einzelne Pläne oder Modelle in den letzten Jahren regelmäßig auf der Documenta und in großen Museumsausstellungen zu sehen waren.


Seite 2 aus Archigram 5 (Metropolis)


Bislang aber gab es keine Ausstellung, die sich explizit der Visionen der Megastrukturalisten gewidmet hat. MEGASTRUCTURE RELOADED will nun erstmals La Ville spatiale, Plug-in City und New Babylon im Zusammenhang zeigen. Neben Archigram, Alan Boutwell, Constant, Günther Domenig/ Eilfried Huth, Yona Friedman und seinen Mitstreitern aus der Groupe d’Études d’Architecture Mobile wie Eckard Schulze-Fielitz sollen auch die radikalen Florentiner Gruppen Superstudio und Archizoom, die Ende der 60er Jahre mit ihren Entwürfen ironisierend auf die Megastrukturalisten antworteten, vertreten sein.


Die Ausstellung intendiert dabei keine rein dokumentarische Darstellung, die Ideen der Megastrukturalisten sollen vielmehr auf ihre Aktualität und Tauglichkeit für die städtebaulichen Probleme der Gegenwart befragt werden. Dabei zielen wir sowohl auf die Verbindung von Architektur/ Raumkonstrukten und bildender Kunst ab, die für die Entwürfe so bezeichnend ist, als auch auf genuin architektonisch-städtebauliche Fragestellungen.


Die Künstler José Dávila (MX), Simon Dybbroe Møller (DK), Ryan Gander (GB), Franka Hörnschemeyer (D), Gordon Matta-Clark (USA); Victor Nieuwenhuys & Maartje Seyferth (NL), Tobias Putrih (SI/USA), Tomas Saraceno (AR), Katrin Sigurdardòttir (IS/USA) und Tilman Wendland (D) sind eingeladen für die Ausstellungen Arbeiten zu entwickeln, die Bezug auf die Entwürfe der 60er Jahre nehmen oder sich mit den Strukturen realer Megacities wie Mumbai, Mexico City oder São Paulo auseinandersetzen. Conical Intersect, die Arbeit von Gordon Matta-Clark, bildet hier eine Ausnahme: Sie dokumentiert die Intervention des Künstlers 1975 an einer Altbaufassade vor dem Hintergrund des im Bau befindlichen Centre Pompidou in Paris, einem der raren Beispiele realisierter Megastruktur.