Das zentrale Thema von Franka Hörnschemeyer ist der Raum. Was Raum eigentlich ist, weiß bis heute niemand erschöpfend zu sagen. Dementsprechend vielseitig ist auch Hörnschemeyers Raumbegriff. In ihren Arbeiten geht es um Räume im Sinne von Volumen, Zimmern, Gebäuden genauso wie um Geschichts- und Wahrnehmungsräume, wozu etwa auch Töne gehören können, die Räume ebenso definieren wie die Beschaffenheit der beim Bau verwendeten Materialien. In der Regel steht all das Genannte miteinander in Beziehung.

BFD – bündig fluchtend dicht, 2001. Schalelemente, 3,90 x 14,60 x 17,20 m, Paul-Löbe-Haus, Deutscher Bundestag, Foto: Stephan Erfurt

So hat die Künstlerin etwa im Hof eines Bürogebäudes für den Deutschen Bundestag die ehemals in der Nähe befindlichen Hundezwinger der DDR-Grenztruppen mit einzelnen Räumen aus dem Bundestagsgebäude verschränkt, indem sie beide in einer Konstruktion aus Betonschalelementen zusammengefügt hat. Dieses eiserne Gitterwerk diente ursprünglich zum Guss der Betonwände des Bürohauses der Abgeordneten. So werden vergangene Räume mit gegenwärtigen konfrontiert und verschwundene und unsichtbare Räume in der künstlerischen Konstruktion erfahr- und lesbar.

Entwurf für Konditional, ortsspezifische Installation für Ideal City - Invisible Cities, Zamość, 2006. [Fotos der Arbeit]

Für Ideal City – Invisible Cities liefern Plan und Anlage der Idealstadt Zamość Franka Hörnschemeyer den historischen wie realen Bezugspunkt. Das Straßenraster des italienischen Architekten Bernardo Morando vom Ende des 16. Jahrhunderts kehrt wieder als begehbarer Parcours aus zwölf kreuzförmigen Türelementen, durch dessen bewegliche Flügel sich der Besucher seinen Weg bahnen kann. Die Orientierung innerhalb der übermannshohen Türen wird erschwert, der Raum innerhalb der 36 Quadratmeter großen Fläche ist nur in der Passage mit dem eigenen Körper zu durch- und ermessen. Der Titel Konditional hat sowohl Referenzen zur Grammatik (wenn ..., dann ...) als auch zur formalen Logik (a als hinreichende Bedingung für b). Gleichzeitig liefert Hörnschemeyers Titel einen allgemeinen Kommentar zur idealen Stadt Zamość. Das einstige Ideal einer befestigten Stadt ist zum Konditional geworden. Der (Stadt-)Raum ist verstellt, sein Straßenraster leistet der ungehinderten Bewegung Widerstand. Erst in der Bewegung aber erschließen sich die offenen Möglichkeiten des Raumes. Mit Konditional hat Franka Hörnschemeyer eine Parabel nicht nur auf Planstädte und Idealpläne konstruiert. Zugleich hat sie die Bedingung der Möglichkeit zur Aneignung eines solchermaßen konditionierten und determinierten Raumes sichtbar gemacht. Denn es bedarf der Eigeninitiative, sich seinen Weg zu bahnen und sich den Raum zu erschließen.


Ronald Berg


Relais, 2006. Schalelemente, 6,5 x 6,5 x 2,5 m [weitere Ansichten der Arbeit]

Ortsspezifische Installation für Ideal City - Invisible Cities, Potsdam

Courtesy: Franka Hörnschemeyer & European Art Projects

Mit großzügiger Unterstützung von PASCHAL-Werk G. Maier GmbH

Foto: Krzysztof Zieliński